Rückblick auf die letzten Ereignisse und Projektarchiv

Rückblick auf die Konzerte vom Dezember 2023


Freudige Erwartung auf Weihnachten – ist das jetzt angebracht? Angesichts des persönlichen Schicksals und der Kriegsdramen, die der deutsche Komponist Hugo Distler durchlebte, kann die Aufführung seiner Weihnachtsgeschichte durchaus passen und der vorherrschenden Bedrücktheit wegen des heutigen Zeitgeschehens etwas entgegensetzen.

Distler wurde 1908 kurz vor dem Ersten Weltkrieg geboren. Abgelehnt und verlassen von seiner Mutter, erlebte er die Abgründe der beiden Weltkriege, aber auch die Goldenen Zwanziger, die Weltwirtschaftskrise und die Schrecken des deutschen Nationalsozialismus. Wie andere Komponisten seiner Zeit sprengte er musikalische Fesseln und ergründetete neue musikalische Horizonte. «Im Unterschied zu vielen seiner Kollegen, die vom Publikum nicht verstanden wurden, gelang es Distler, die Zuhörerschaft behutsam durch seine klanglich und rhythmisch komplexen Welten zu führen», sagt der Dirigent, Chorleiter und Komponist Peter Appenzeller, der das Adventskonzert von Cantaurora leitet. Wichtig und wohltuend seien dabei die harmonischen Ruhepole, die Distler immer wieder zwischen stürmisch verschlungene Passagen setze. In seiner Weihnachtsgeschichte, gemäss Appenzeller eine «geniale Komposition», sind das etwa die sieben Variationen des Liedes «Es ist ein Ros entsprungen» oder die musikalische Interpretation des Wortes «Frieden».

Hugo Distler – ein Ausnahmekomponist

«Was mich an Distler besonders begeistert, ist die Lebendigkeit seiner Musik» ergänzt Appenzeller. «Für mich gelang es ihm, trotz harter Repression und Kriegsgrauen, Licht in die finstersten Zeiten zu bringen und den Willen auszudrücken, sich nicht unterkriegen zu lassen». Gemäss Appenzeller war der deutsche Komponist eine Ausnahmeerscheinung seiner Epoche, der neue melodische, harmonische und rhythmische Impulse setzte und damit Generationen späterer Komponisten beeinflusste – auch ihn selber.

Das kann an unserer Aufführung vom Publikum ergründet werden. Denn das zweite Werk des Abends komponierte der aus dem Engadin stammende Musiker selber. Ausgehend vom Text «In himelriche ein hus stat» des Minnesängers Spervogel aus dem späten zwölften Jahrhundert schuf Appenzeller das Oratorium «Johannes- und Christgeburt». Das Werk entstand im engen Austausch mit der Librettistin Rose Aggeler aus Mörschwil (SG). «Für mich ist die Zusammenarbeit mit der Texterin sehr inspirierend», sagt der Komponist. «Ihre Worte lassen in mir Harmonien erklingen, denen ich folgen und sie zur ganzen Komposition weiterentwickeln kann», so Appenzeller. Im Konzert wird der erste Teil des Oratoriums dargeboten. Mit dem Gesang möchten wir Licht und Wärme ins Publikum tragen.

Unser Weihnachtskonzert zum Nachhören


Das Konzert vom 8. Dezember 2023 in Thusis wurde von RTR aufgenommen und ist jetzt dort zu hören.

Die beiden Werke unseres vergangenen Projekts, Hugo Distlers Weihnachtsgeschichte und Peter Appenzellers Johannesgeburt, sind jetzt bei RTR in verschiedenen Formaten verfügbar.

Links:

Online-Artikel zum Konzert
Podcast mit der Sendung vom 24.12.
Die beiden Werke zum Streamen auf playfestas

Projektarchiv

2023

Dezember – Weihnachtskonzert a cappella mit Hugo Distlers Weihnachtsgeschichte und Peter Appenzellers Johannesgeburt

2022

DezemberMagnificat und andere Werke von J. S. Bach mit Orchester ad hoc und Solisten
Mai – Gesangsfest Gossau: Auftritte mit den Singfrauen Winterthur, dem Frauenchor Les Voix und dem gemischten Chor Vocalino Wettingen – Lieder aus Graubünden und Auszüge aus Peter Appenzellers Werk Mahomets Gesang

2021

DezemberBACH universal – Werke für Chor und Solistenquartett von verschiedenen Vertretern der Bach-Familie

2019

NovemberAngelis Suis – Musik a cappella zum Thema Engel

2018

November Sacred and Profane – Englische Musik vom 15. Jahrhundert bis heute
Mai Vielstimmiges und Mehrchöriges – a cappella gemeinsam mit Cantus Firmus Surselva

2017

Dezember – Schütz, Praetorius und andere, mit Orchester auf historischen Instrumenten
August – Konzertreise durch Graubünden – 20 Jahre Cantaurora
Mai Ecco mormorar l'onde – Renaissance und Frühbarock aus Italien

2016

November Norðanvindur – Chormusik a cappella aus Nordeuropa
MärzJohannespassion von J. S. Bach in Zusammenarbeit mit dem Orchester le phénix

2015

April bis DezemberCarmina Helvetica – Schweizer Lieder bearbeitet von Peter Appenzeller, mit diesem Programm auch Teilnahme am Schweizerischen Gesangsfest in Meiringen

2014

Dezember – Bach in der Adventszeit in Zusammenarbeit mit le phénix
November Mensch, richte dich doch auf! – Schweizer A-Cappella-Kompositionen des 20. Jahrhunderts
April –  Matthäuspassion von J. S. Bach in Zusammenarbeit mit dem Freien Chor Zürich und dem Freien Musikkreis Zürich

2013

August bis NovemberDrei Klöster – Lieblingsstücke a cappella aus vergangenen Cantaurora-Programmen, von Bach, Schütz, Vasks, Appenzeller und anderen Komponisten
Mai –  Marienvesper von Claudio Monteverdi in Zusammenarbeit mit dem Freien Chor Zürich, Orchester ad hoc

2012

November Wie im Himmel, so auf Erden – Vaterunser-Vertonungen von der Gregorianik bis heute
Juni – Teilnahme am Kantonalen Gesangsfest in Trun mit Galgenliedern von Morgenstern, vertont von Peter Appenzeller
März – Heinrich Schütz: Musikalische Exequien, Orchester ad hoc

2011

März bis September Mein Lieb ist eine Nachtigall – Lieder von Johannes Brahms, Hans Huber und Peter Appenzeller, mit Giusi Groppuso und Oscar Gulia, Klavier
Januar Auf der Wanderschaft – Lieder von Hans Roelli in Sätzen von Lucius Juon

2010

August – Kantaten und Motetten von J.S. Bach, in Zusammenarbeit mit dem Orchester Camerata Cantabile

2009

November – Ernst Pepping: Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas, Hugo Distler: Weihnachtsgeschichte (Auszüge)
Februar Tod und Abschiedsschmerz mit Werken von Monteverdi, Zelenka und Distler
Januar – Veröffentlichung der Jubiläums-CD mit Liedern von Peter Appenzeller

2008

September – W. A. Mozart: Messe in c-Moll, Venite, populi, in Zusammenarbeit mit dem Orchester Camerata Cantabile
März Choralpassion von Hugo Distler

2007

Juni – Jubiläumskonzert 10 Jahre Cantaurora mit Werken aus der Romantik

2006

November Klingende Elemente & Jahreszeiten
Juni – Galakonzert Kantonales Gesangsfest in Zusammenarbeit mit dem Chor Cantus Firmus

2005

November – Französische Chormusik vom Mittelalter bis zur Moderne
März Johannes-Passion von Heinrich Schütz

2004

November – Zwei Konzerte mit Saxophon-Quartett – Werke von Mendelssohn, Fauré, Bruckner, Appenzeller
Mai – Zusammenarbeit mit Ligia Grischa und Freier Chor Zürich: Elias von Mendelssohn
Januar Die Sintflut von Willy Burkhard, dazu Lechner und Appenzeller

2003

Mai –  Werke von Pärt, Bach, Byrd und Appenzeller

2002

September –  Membra Jesu Nostri von Dietrich Buxtehude zusammen mit Il Suonar Parlante, Gambenconsort von Vittorio Ghielmi

2001

September –  Zusammenarbeit mit dem Freien Chor Zürich: Werke von Frank Martin, J. S. Bach, Heinrich Schütz und Robert Schumann

2000

Dezember –  Weihnachtsgeschichte von Hugo Distler
August –  Eröffnung der Scuntrada Rumantscha in movimaint in Zuoz mit Sweelinck-Psalmen und Liedern von Peter Appenzeller.
Mai –  Zwei Konzerte mit der Ligia Grischa u. a. mit der Chrysostomos-Liturgie von Tschaikowsky
Februar –  Messe in D von Dvořák, Rejoice in the lamb von Britten, Chichester Psalms von Bernstein, in Zusammenarbeit mit dem Organisten Stephan Thomas

1999

März – W. A. Mozart: Requiem

1998

Oktober –  Lieder der Freude in Zusammenarbeit mit dem Pianisten Oscar Gulia
April –  J. S. Bach: Singt dem Herrn und Lieder zur Passionszeit

1997

Oktober –  Lieder der Liebe, das erste Projekt von Cantaurora